* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt








Leben lernen

Von der Sonne lernen zu w?rmen,
von den Woilken lernen, leicht zu schweben,
von dem Wind lernen, Anst??e zu geben,
von den V?geln lernen, H?he zu gewinnen,
von den B?umen lernen, standhaft zu sein.

Von den Blumen das Leuchten lernen,
von den Steinen das Bleiben lernen,
von den B?schen im Fr?hling Erinnerung lernen,
von den Bl?ttern im Herbst das Fallenlassen lernen,
vom Sturm die Leidenschaft lernen.

Vom Regen lernen, sich zu verstr?men,
von dern Erde lernen, m?tterlich zu sein,
vom Mond lernen, sich zu ver?ndern,
von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,
von den Jahreszeiten lernen, da? das Leben
immer von neuem beginnt....

Ute Latendorf

7.2.06 19:54


Fit wie in der Steinzeit

Fit wie in der Steinzeit

Bisher empfahlen ?rzte k?rperliche Aktivit?t meist, um Krankheiten vorzubeugen. Doch zunehmend erkennen Alzheimerforscher, Herzmediziner und Onkologen: Bewegung hilft Menschen auch dann, wenn sie schon erkrankt sind - h?ufig besser als teure Tabletten und Hightech-Medizin.

Auf den ersten Blick entspricht der Arbeitsplatz des kalifornischen Psychiaters Wayne Sandler dem Klischee: An der Wand h?ngen Bilder von Sigmund Freud, in einem Glasschrank liegen Lehrb?cher der Hirnanatomie, und ein Sofa gibt es nat?rlich auch.

Doch dann ist da noch etwas, das hier gar nicht hinzugeh?ren scheint: zwei Laufb?nder.

"Immer wieder haben mir Patienten gesagt, wie wohl sie sich f?hlen, wenn sie sich einmal richtig bewegen", erz?hlt Sandler, dessen Praxis im neunten Stock eines Hochhauses im reichen Century City District von Los Angeles gelegen ist. Doch, so klagten die Gem?tskranken, sie f?nden keine Zeit oder f?hlten sich einfach zu labil, um Sport zu treiben. Aus diesem Grund beschloss Sandler, 54, seine Gespr?chstherapie mit k?rperlicher Ert?chtigung zu kombinieren.

Etwa die H?lfte der depressiven oder angstgest?rten Patienten bringen mittlerweile Laufschuhe mit, wenn sie einen Termin bei Doc Sanders haben. Der drahtige Arzt, der selbst jeden Tag Gewichte stemmt oder auf dem Ergometer strampelt, schl?pft dann in seinen schwarzen Sportdress. Die Laufb?nder hat Sandler gegen?ber aufgestellt, so dass er seinem Patienten ins Gesicht gucken kann. Zwei Startkn?pfe klicken, die Therapie im Traben kann beginnen.

Zwar verschreibt Sandler einigen seiner Patienten nach wie vor Psychopillen wie die Modedroge Prozac. Jedoch ist er davon ?berzeugt, dass Bewegung mitunter eine gest?rte Gehirnchemie besser ins Gleichgewicht bringt als Medikamente. Seine Lauf-Kundschaft jedenfalls sei begeistert, berichtet der Psychiater, der das Training mittlerweile wie eine Arznei verschreibt: "Bewegung wird jetzt Ihre Medizin sein - und Sie brauchen davon jeden Tag mindestens 30 Minuten."

Auch Carolyn Kaelin glaubt an die Heilkraft der Bewegung. Die Mutter zweier Kinder lebt in Boston. Im Sommer 2003 erkrankte sie an Brustkrebs. Da war sie gerade 42 Jahre alt. Eine Chemotherapie, f?nf Operationen einschlie?lich der chirurgischen Entfernung der Br?ste haben die Frau nicht davon abhalten k?nnen, so h?ufig wie m?glich ins Fitnessstudio zu gehen und jeden Tag zur Arbeit zu laufen: "Es ist die eine Sache, die ich f?r mich tun kann, von der ich wei?, dass sie n?tzlich ist."

Kaelin kennt sich aus. Sie geh?rt zu den bekanntesten Brustkrebs-Chirurginnen der
USA und leitet das Comprehensive Breast Health Center des Brigham and Women's Hospital, das zur Harvard Medical School geh?rt. Wer ihr strahlendes L?cheln sieht und ihre Vitalit?t sp?rt, mag nicht glauben, welchen Leidensweg sie gegangen ist. Doch gerade das n?hrt die Hoffnung ihres Publikums. Stets tragen in ihren Vortr?gen einige der Zuh?rerinnen T?cher, um den im Zuge einer Chemotherapie kahl gewordenen Kopf zu bedecken.

Eine wachsende Zahl von Studien, berichtet Kaelin in ihrem k?rzlich erschienenen Buch, zeige: K?rperliche Bewegung kann das Leben von Brustkrebspatientinnen verl?ngern und die Wahrscheinlichkeit von R?ckf?llen verringern*. Werde ein Brustkrebs diagnostiziert, empfiehlt die attraktive Professorin, solle die betroffene Frau so schnell wie m?glich mit einem Fitnessprogramm beginnen: "Ihnen mag ?berhaupt nicht danach zumute sein. Aber ich glaube, es kann wahrlich Ihr Leben retten."

Bisher empfahlen ?rzte k?rperliche Aktivit?t und Sport meist als Prophylaxe, um den Ausbruch von Krankheiten und Leiden zu vermeiden. Doch seit kurzem kommt die Bewegung in die ganze Medizin. Psychiater und Onkologen, ebenso Orthop?den, Demenzforscher und Kardiologen erkennen: Den K?rper in Gang zu setzen hilft Menschen auch dann, wenn sie schon l?ngst krank sind.

In vielen F?llen ist dosiertes Training eine Erg?nzung bew?hrter Therapien. H?ufig, so zeigen neue Studien, wirkt Bewegung sogar besser als teure Tabletten und Hightech-Medizin. Sie kann gesundmachende Zellen im K?rper wachsen lassen und Krankheitsverl?ufe umkehren.

Wer sich dreimal in der Woche eine halbe Stunde lang k?rperlich anstrengt, so entdeckten beispielsweise Forscher der amerikanischen Duke University in einer Vergleichsstudie, sch?tzt sich genauso wirksam gegen Missmut und Trauerattacken wie Menschen, die t?glich Stimmungsaufheller schlucken.

Auch bei herzkranken Menschen, berichtet der Kardiologe Rainer Hambrecht, 45, von der Universit?t Leipzig, sei Bewegung inzwischen als Therapeutikum anzusehen, das man wie ein bew?hrtes Medikament dosieren kann. Hambrecht: "Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit k?nnen ihre Lebenserwartung erh?hen, wenn sie beginnen, Sport zu treiben."

Je mehr die Forscher erfahren und verstehen, desto entschiedener fordern sie die Abkehr vom klassischen Rat, demzufolge der Kranke das Bett zu h?ten habe.

"Viele ?rzte empfehlen (immer noch) bei verschiedenen Krankheiten k?rperliche Schonung oder raten von jeglicher k?r-

perlicher Aktivit?t ab", klagt der Remscheider Internist Herbert L?llgen im "Deutschen ?rzteblatt". Doch gerade bei Stoffwechselerkrankungen und Gelenkverschlei? sei Nichtstun "meist kontrainduziert" und verschlechtere sogar die Lebensqualit?t.

Besonders Krebspatienten werden bis heute vielfach zu k?rperlicher Unt?tigkeit angehalten - aus dem ?rztlichen Glauben heraus, sie verkrafteten dadurch die Strapazen der Behandlung besser. Doch anscheinend ist eher das Gegenteil wahr, berichtet die "Deutsche Zeitschrift f?r Onkologie" jetzt in ihrer aktuellen Ausgabe. In einem Schwerpunkt beschreibt das Blatt, wie manche ?rzte dazu ?bergehen, selbst schwerkranken Patienten Ergometer aufs Krankenzimmer zu stellen.

Bewegung verbessert demnach die Lebensqualit?t und st?rkt die k?rpereigene Krebsabwehr. Doch in Deutschland, klagt Horst Michna von der Technischen Universit?t M?nchen, "ist der therapeutische Wert des Sports in der Krebsnachsorge noch vergleichsweise unbekannt und wird zum Teil sehr stiefm?tterlich behandelt".

Generell d?rfte Onkel Doktors Rat zur Ruhe das Ableben etlicher Patienten bef?rdern. Beispiel Herzmuskelschw?che: Die krankmachenden physiologischen Vorg?nge, die zum Schwund des Pumpmuskels f?hren, verschlimmern sich, wenn der Betroffene sich auf ?rztliche Anordnung hin nicht mehr bewegt. Gut informierte Mediziner verordnen inzwischen das Gegenteil: Einer aktuellen ?bersichtsstudie zufolge kann Sport bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, um etwa 35 Prozent senken.

Auch den Einfluss von Inaktivit?t auf gesunde Menschen haben Forscher neu bewertet: Der unter B?roangestellten so verbreitete Minimalgebrauch der Muskeln kann demnach fast so sch?dlich sein wie das Qualmen von Zigaretten. Die Sterblichkeitsrate tr?ger Menschen liegt bis zu einem Drittel h?her als jene reger Vergleichspersonen. Ein Senior, der jeden Tag eine Meile (1,6 Kilometer) weniger spazieren geht als sein gleichaltriger Nachbar, wandert - bei sonst gleichen Risiken - sieben Jahre fr?her ins Grab.

Die Hoffnung, k?rperliches Nichtstun sei nicht weiter abtr?glich, sofern man nur das Gewicht halte und sich vern?nftig ern?hre, halten Evolutionsmediziner wie Frank Booth von der University of Missouri in Columbia f?r einen Trugschluss. Die modernen Menschen seien genetisch noch immer auf das Leben als J?ger und Sammler programmiert, weil ihre genetische Ausstattung sich in den 10 000 Jahren seit der Steinzeit kaum ver?ndert hat.

Damals vollbrachten die Menschen Tag f?r Tag athletische H?chstleistungen, wenn sie Nahrung suchten, wilden Tieren nachstellten und Unterk?nfte bauten. Diejenigen, die aufgrund ihrer Gene dazu nicht f?hig waren, starben aus. So entstand in den ?berlebenden im Laufe der Jahrtausende ein biologisches R?stzeug, das immer weiter vererbt wurde. Es b?rgt f?r optimale Abl?ufe im K?rper - aber eben nur, solange ein Individuum sich jeden Tag bewegt.

Auf eines ist das Erfolgsmodell Homo sapiens gar nicht eingestellt: Bewegungsarmut. Heute jedoch findet sich ein gro?er Teil der Weltbev?lkerung in Industriegesellschaften wieder, f?r die seine genetische Mitgift nie vorgesehen war: Milliarden
Menschen verbringen die meiste Zeit ihres Tages im Sitzen oder im Liegen.

Zwar haben sie dank verbesserter Hygiene und Geburtsmedizin sowie Antibiotika eine deutlich l?ngere Lebenserwartung als ihre Vorfahren. "Aber der Durchschnittsangestellte in einem B?ro w?re sehr viel ges?nder", sagen die amerikanischen Evolutionsmediziner Randolph Nesse und George Williams, "verbr?chte er seine Tage damit, nach Muscheln zu tauchen oder Fr?chte auf hohen B?umen zu ernten."

Weil im bewegungsfaulen K?rper die biochemischen Kreisl?ufe stocken, ballen sich beispielsweise die Blutfette vermehrt zu Gallensteinen: Tr?gen Personen wird h?ufiger als dem Rest der Bev?lkerung die Gallenblase entfernt. Und weil im lahmen Leib die Verdauung schleppend abl?uft, vergr??ert sich die Kontaktzeit mit krebsausl?senden Stoffen aus der Nahrung: Inaktive Menschen haben ein um 50 Prozent erh?htes Risiko, vom Dickdarmkrebs heimgesucht zu werden.

Die meisten Zivilisationskrankheiten f?hrt Evolutionsmediziner Booth darauf zur?ck, dass der Stoffwechsel wegen allzu gro?er Unt?tigkeit aus dem Ruder l?uft. Als Minimalanforderung sehen er und andere Forscher 30 Minuten moderate Bewegung am Tag an - etwa Walking oder Schwimmen. Als "inaktiv" definieren sie alles, was darunterliegt. "Ohne dieses Mindestma? an k?rperlicher Aktivit?t, die unsere Genome von uns erwarten", sagt Booth, "ist es wahrscheinlich, dass eine pathologische Genexpression zu chronischen Krankheiten f?hrt."

Das w?rde bedeuten: Im K?rper eines jeden Menschen, der sich nicht t?glich mindestens eine halbe Stunde lang ert?chtigt, herrscht Ausnahmezustand. In den Zellen und Geweben laufen permanent krankmachende Vorg?nge ab, und es scheint nur eine Frage der Zeit, ehe sich diese in Molesten und Beschwerden ?u?ern.

Das alte Konzept k?rperlicher Aktivit?t muss den Evolutionsmedizinern zufolge ?berdacht werden: Bewegung ist keineswegs eine n?tzliche Zugabe, um die Gesundheit zu verbessern. Vielmehr ist sie die Voraussetzung, die das normale Funktionieren des Menschen erst erm?glicht.

Mit den neuen Befunden erscheinen auch die vielf?ltigen Ver?nderungen des K?rpers, die sich mit den Jahren einstellen, pl?tzlich in anderem Licht. "Was oft als Alternsvorgang verstanden wird", sagt der Sportmediziner Heinz Mechling von der Universit?t Bonn, "ist in hohem Ma?e das Resultat von Inaktivit?t."

Milliarden geben die Deutschen aus f?r die Produkte der Anti-Aging-Industrie; doch bisher haben alle Pillen, Hormone, Frischzellspritzen, Vitaminkuren und orthomolekulare Verfahren kl?glich versagt. Es gibt nur einen Jungbrunnen - aber wer davon trinken will, muss sich anstrengen. "Nachweislich", so der Remscheider Internist L?llgen, "vermag nur regelm??ige k?rperliche Aktivit?t den biologischen Alterungsprozess aufzuhalten."

Mediziner und Sportwissenschaftler des "Human Nutrition Research Center on Aging" der Tufts University in Boston haben dies in einer Vielzahl von Untersuchungen belegt. Im Fitnessstudio des Zentrums strampeln 70 Jahre alte Menschen, die seit Jahrzehnten keinen Sport getrieben haben, auf Ergometern und stemmen Eisengewichte. Die Tufts-Forscher schauen nicht auf Falten, Tr?nens?cke und zur?ckweichende Haarans?tze. Vielmehr zielen sie auf zehn Gr??en im K?rper ("Biomarker"), die sie mit Ger?ten messen k?nnen: Muskelmasse, Kraft, metabolische Umsatzrate, Fettanteil, aerobe Kapazit?t, Blutzuckertoleranz, Zusammensetzung der Blutfette, Blutdruck, Knochendichte sowie das Verm?gen, die K?rpertemperatur zu regulieren.

"Wir altern nicht chronologisch, sondern biologisch", erkl?rt der Arzt Irwin Rosenberg. "Wenn man die K?rperfunktionen erh?lt, dann kann man den biologischen Alterungsprozess ?berwinden."

Die Gruppe um Rosenberg hat bereits vor Jahren ein Programm aus Bewegung und Krafttraining entwickelt, das man zu Hause durchf?hren kann, und es an zahlreiche nv?llig untrainierter Menschen ausprobiert. Ein ums andere Mal haben die ?rzte beobachtet: Wer die ?bungen 16 Wochen lang befolgt, der ver?ndert unweigerlich seine Biomarker und erh?ht auf diese Weise (erst recht, wenn er nicht raucht) die Chancen auf ein langes gesundes Leben

Eine gro?e Zahl epidemiologischer Studien hat eindeutig ergeben: T?gliche k?rperliche Aktivit?t ist verbunden mit einem verringerten Risiko f?r Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Ged?chtnisschwund, Depression, Diabetes, Fettleibigkeit, und sie verl?ngert das Leben. Auch das Risiko f?r Brust- und Darmkrebs kann durch sie gesenkt werden. Gewiss, k?rperliche Bewegung kann dem Einzelnen niemals garantieren, dass Erkrankungen ausbleiben. Der Amerikaner James Fixx taufte einst den Dauerlauf in "Jogging" um und machte ihn auf der ganzen Welt popul?r - dann brach der Lauf-Guru, 52 Jahre jung, beim Joggen auf einer einsamen Landstra?e tot zusammen.

Gleichwohl l?sst sich der segensreiche Effekt von pr?seniler Bettflucht und Aktivit?t nicht wegdiskutieren. 90 Prozent der ?ber 50-J?hrigen w?rden von regelm??igem Training profitieren. "Es muss nicht immer Joggen sein", sagt Herbert L?llgen, 63, der stetig trainiert und bisher zehn Marathonl?ufe absolviert hat. "Schon Nordic Walking und schnelles Spazierengehen haben einen nachweisbaren Effekt."

Die Leibes?bungen verhei?en genau das, wonach das Volk lechzt: k?rperlich und geistig fit zu bleiben. Nach jedem Jahreswechsel str?men reuige Bewegungsmuffel, ihren guten Vors?tzen getreu, zu Tausenden in die Fitnessstudios. Und doch: Bei der Verwirklichung des Traumes t?uschen sich viele selbst. Zwar behaupten 60 Prozent der erwachsenen Bundesb?rger in Befragungen, sie seien sportlich aktiv. In Wahrheit jedoch erreichen allenfalls 10 bis 20 Prozent der Bev?lkerung jene Minimalbeanspruchung, die der Gesundheit hilft.

Der Bundes-Gesundheitssurvey offenbarte: Etwa 65 Prozent der 50- bis 59-j?hrigen Frauen und 60 Prozent der M?nner desselben Alters sind kaum mehr in der Lage, die Treppe drei Stockwerke hochzugehen. Von den 30- bis 59-j?hrigen Frauen und M?nnern treiben mehr als die H?lfte ?berhaupt keinen Sport. Mehr als 65 Prozent der ?ber 40 Jahre alten M?nner sowie mehr als 70 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe gelten als inaktiv.

Aufgrund ihrer Steinzeitgene bekommt ihnen dieses Lotterleben schlecht. Sie nehmen zwar etwa ein Drittel weniger Kalorien zu sich als ihre nimmersatten Vorzeitahnen. Jedoch verbrennen sie, bezogen aufs K?rpergewicht, nur noch 38 Prozent so viel Energie. Der K?rper sp?lt das ?berma? an Sahnekuchen, Leberwurstbroten und Weizenbieren nicht einfach wieder hinaus. Vielmehr macht er daraus - es k?nnte ja eine Hungersnot kommen - st?rende Fettpolster an Bauch und Po.

Wohin der archaische Regelkreis f?hrt, haben Forscher an den Pima-Indianern studiert, die in Mexiko und in den USA leben. Die US-Pima verputzen jeden Tag 500 bis 600 Kilokalorien mehr als die gen?gsameren Stammesgenossen im ?rmeren Mexiko. Die Folge: Sie sind im Durchschnitt 26 Kilogramm schwerer und haben eine der weltweit h?chsten Diabetesraten. Jeder Zweite der Pummel-Pimas ist zuckerkrank.

Den Ausbruch dieses Stoffwechselleidens f?hren Evolutionsmediziner als Paradebeispiel daf?r an, wie der menschliche Organismus noch auf Steinzeit gepolt ist. Der K?rper vermag nur eine kleine Menge an Traubenzucker (Glukose) in Muskeln und Leber zu speichern; dieser Vorrat ist schon nach einem Fastentag ersch?pft. Deshalb braucht der K?rper Regelkreise, die den Glukosevorrat in Hungerszeiten sch?tzen.

"F?r unsere Vorfahren war es von Vorteil, dass nur aktive Muskeln dem Blutstrom Glukose entziehen k?nnen", erkl?rt Booth. In Zeiten von Kartoffelchips und Autofahren ger?t dieses System zum Nachteil: Die inaktiven Muskeln sind unf?hig, Glukose aus dem Blut zu fischen, so dass diese sich dort immer st?rker konzentriert. Um den hohen Blutzuckerspiegel zu regulieren, bildet die Bauchspeicheldr?se in gewaltigen Mengen das Hormon Insulin. Doch durch die ?berschie?ende Aussch?ttung werden die eigenen K?rperzellen resistent gegen das Hormon. Der Zuckerstoffwechsel bricht zusammen, der Mensch erkrankt an Diabetes. ?bersteigt die Glukosekonzentration einen Schwellenwert, so drohen Kreislaufschw?che, schwere Gef??sch?den, Erblindung und Zuckerkoma.

Ein ebenso simples wie erfolgreiches Mittel gegen die Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) ist es, die Kranken k?rperlich zu mobilisieren. In der chinesischen Stadt Daqing wurden M??igg?nger, deren Glukosehaushalt schon gest?rt war, dazu verdonnert, sich regelm??ig k?rperlich zu regen. Daf?r durften sie weiterhin essen und trinken, wie es ihnen gefiel. Nach sechs Jahren war ihr Diabetesrisiko um 46 Prozent gesunken. Vergleichspersonen, die faul blieben, aber ihre Ern?hrung umstellten, erzielten nur eine Reduktion von 31 Prozent.

Um den Krieg gegen chronische Krankheiten zu gewinnen, halten Physiologen regelm??ige Bewegung inzwischen f?r wirksamer als Di?ten und das ewige Auf-die-Waage-Schielen. Wer seine archaischen Gene mit Hungerkuren ?berlisten will, ist in aller Regel zum Scheitern verurteilt. Die Gene sind eben so gepolt, dass man nach dem saftigsten Schinken und nach den s??esten Fr?chten greift.

Eine wissenschaftliche Auswertung ergab: Seit 50 Jahren wechseln Di?tmoden einander ab, ohne dass auch nur eine Wunderkur gefunden w?re. Wer eine Di?t 15 Wochen durchh?lt, kann zwar an die elf Kilogramm verlieren. Allerdings ist der Effekt sp?testens nach drei bis f?nf Jahren verpufft und das alte Gewicht wieder erreicht.

Umgekehrt nutzt Bewegung der Gesundheit - und zwar sogar dann, wenn man gar nicht abnimmt. Sie sch?tzt gerade fettleibige M?nner besonders wirksam vorm Infarkt. Aber auch aktive dicke Frauen haben im Vergleich zu inaktiven d?nnen ein leicht erniedrigtes Risiko f?r Herzleiden.

Die ersten Hinweise, wie wichtig Bewegung f?rs Wohlsein ist, lieferte die Weltraumforschung. Um die Auswirkung der Schwerelosigkeit auf den K?rper zu ergr?nden, wurden 1966 in einem Krankenhaus in Dallas f?nf junge M?nner drei Wochen lang ins Bett gesteckt. Sie bekamen eine spezielle Magerkost, damit sie nicht zunahmen, und durften sich nicht bewegen. Unter die Dusche lie? man sie in der ganzen Zeit nur ein einziges Mal, auf die Toilette schob man sie im Rollstuhl.

Es waren menschliche Wracks, die sich da nach 21 Tagen schwerf?llig aus den Betten erhoben: Das Verm?gen, Sauerstoff aufzunehmen, war um 28 Prozent verringert und das Schlagvolumen des Herzens um 25 Prozent. Der Pumpmuskel war um 11 Prozent geschrumpft. Als sie auf einem Laufband rennen sollten, sanken zwei der Burschen ohnm?chtig danieder.

Der Verfall, den die f?nf Kerle im Zeitraffer erlebten, spielt sich gegenw?rtig in weiten Kreisen der Bev?lkerung ab, allerdings verteilt auf viele Jahre. Im Mittelabschnitt ihres Lebens rutschen etliche B?rger in einen passiven Lebensstil. Je mehr sie sitzen, desto schneller schrumpfen ihre Muskeln und werden durch Fett ersetzt.

"Sarkopenie" (nach dem griechischen "sarx" f?r Fleisch und "penia" f?r Mangel) hat Tufts-Forscher Rosenberg das Ph?nomen bereits 1988 auf einer Konferenz getauft. "Dieser heimt?ckische Niedergang der K?rperstrukturen und der allm?hliche Verlust der Leistungsf?higkeit", sagt der Arzt, "wird dann zur willkommenen Entschuldigung daf?r, den Zustand der Unbeweglichkeit beizubehalten." Sarkopenie-Opfer f?nden es sogar normal, dass sie kaum mehr Kraft bes??en: Das sei, so ihre Erkl?rung, nun einmal eine nat?rliche Folge des Altwerdens.

Welch ein Irrtum! Selbst hochbetagte Menschen k?nnen einen Gro?teil ihrer Kraft erhalten, wenn sie denn nur ihre Muskeln regelm??ig belasten. Die Forscherin Maria Fiatarone lie? zehn Frauen und M?nner, die zwischen 87 und 96 Jahre alt waren und in einem Krankenhaus lebten, acht Wochen lang mit Gewichten trainieren: Die Muskelmasse an den Oberschenkeln wuchs um zehn Prozent - was die Greise fast dreimal so kr?ftig machte. Zudem wurden sie trittsicherer und konnten schneller gehen als zuvor. Der Teilnehmer Sam Semansky, damals 93, lie? fortan seine Gehhilfe stehen.

Kraft- und Koordinationstraining tut auch den Knochen gut und sch?tzt gerade im Alter besser vor Br?chen als Medikamente, wie eine gro?angelegte Studie ergeben hat. In den USA wurde das Befinden von knapp 10 000 Frauen ?ber 65 untersucht, und zwar ?ber einen Zeitraum von f?nf Jahren. Diejenigen, die pro Woche etwa zwei Stunden lang ihren K?rper trainierten, hatten 36 Prozent weniger H?ftfrakturen als tr?ge Seniorinnen, vermeldete das Fachblatt "Annals of Internal Medicine".

In absoluten Zahlen ausgedr?ckt: Im Laufe eines Jahres und bezogen auf 1000 Frauen gab es in der Gruppe der trainierten Frauen sechs gebrochene H?ften weniger als bei den tr?gen Frauen. Dieser Effekt ist zweimal so gro? wie jener, den man in einer Studie durch das Schlucken teurer Osteoporose-Tabletten erreichen konnte.

Entscheidend f?r die Vermeidung von Frakturen ist, dass guttrainierte Menschen erst gar nicht so oft st?rzen. Ihnen hilft die Verbesserung der K?rperkraft, der Trittsicherheit und des Gleichgewichtssinns. Krafttraining, urteilt der amerikanische Hausarzt und Medizinautor John Abramson, sei "eine der besten M?glichkeiten, die Knochendichte zu erh?hen und St?rze zu vermeiden".

Tai-Chi schult die K?rperbeherrschung und vermindert ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, sich im Alter die Knochen zu brechen. In Werbebotschaften von Arzneimittelherstellern und Anbietern der Knochendichtemessungen werden solche durchaus wirksamen Ma?nahmen, die jeder von sich aus ergreifen kann, naturgem?? nicht weiter propagiert.

Kreuzschmerzen sind ein weiteres Leiden, bei dem Bewegung als Schl?ssel zur Selbstheilung entdeckt wird. So fanden englische Orthop?den in diesem Fr?hjahr heraus, dass ein Trainingsprogramm bei R?ckenkranken genauso wirksam, dar?ber hinaus aber billiger und sicherer ist als die Versteifungsoperation, bei der die Wirbel mit Schrauben und St?ben miteinander verschr?nkt werden. Der mit Komplikationen einhergehende Eingriff wird zwar seit nunmehr 90 Jahren munter an Patienten durchgef?hrt. Bis zur Studie der Engl?nder sah sich jedoch kein Doktor bem??igt, dessen Nutzen einmal auf den Pr?fstand zu holen.

Auch rheumatische Kniegelenke sind bis heute eine Dom?ne der Medizinindustrie: Entweder es werden Arthritismedikamente verschrieben, oder es werden k?nstliche Kniegelenke eingesetzt. Die Forscherin Miriam Nelson von der Tufts University in Boston jedoch glaubt herausgefunden zu haben, dass es auch ganz anders geht: Geplagte Patienten k?nnen sich selbst wom?glich am besten helfen - indem sie die Muskeln ihrer schmerzenden Beine gezielt kr?ftigen.

Mit ihren Kollegen hat Nelson ein 16-Wochen-Training entwickelt, das man mit einem Stuhl und Gewichten an den Kn?cheln zu Hause durchf?hren kann. Nach wissenschaftlichen Kriterien wurde das Programm mit Nichtstun verglichen.

Die Sportler berichteten ?ber deutlich weniger Schmerzen und konnten 17 verschiedene k?rperliche Aufgaben weit besser bew?ltigen als die inaktiven Kontrollpersonen. Miriam Nelson sagt: "Auf einmal konnten Leute, die Alltagsaktivit?ten aufgrund ihrer Arthritis als immer schwieriger und schmerzhafter empfanden, wieder am Leben teilnehmen, wie es ihnen jahrelang nicht mehr m?glich war."

In der Summe kann Bewegung in einer immer ?lter werdenden Gesellschaft wie Deutschland den Ausbruch von Krankheiten nach hinten verschieben und die Zahl der gesunden Tage mehren. James Fries von der Stanford University School of Medicine in Kalifornien hat beispielsweise 370 Mitglieder eines Laufvereins und 249 tr?ge Menschen untersucht. Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer im Durchschnitt 59 Jahre alt. Nach 13 Jahren erkundigte sich Fries, wie es den Leuten in der Zwischenzeit denn so ergangen sei. Das Ergebnis: Gesundheitliche Beeintr?chtigungen waren bei den L?ufern statistisch gesehen 12,8 Jahre sp?ter aufgetreten als bei den Faulpelzen.

So eindeutig die Datenlage, so schwierig ist es f?r ?rzte, die Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Der Leipziger Herzspezialist Hambrecht etwa ist frustriert ?ber viele rauchende, immobile und schwergewichtige Patienten, die er nicht zur ?nderung ihrer Gewohnheiten bringen kann. Dabei hat er Argumente vorzuweisen, die in der internationalen Fachwelt derzeit f?r Aufsehen sorgen. Bis ins molekulare Detail k?nnen die Leipziger mittlerweile den Einfluss k?rperlicher Bewegung auf das Herz erkl?ren.

Zu seinem Team an der Universit?t Leipzig z?hlen ein Sportlehrer und mehrere Molekularbiologen; in zwei R?umen stehen Laufb?nder, Fahrr?der und ein Ultraschallger?t zur Untersuchung der Herzkranzgef??e bereit.

In einer Studie lie?en die Leipziger zw?lf Menschen mit Herzmuskelschw?che sechs Monate lang Sport treiben: jeden Tag 20 Minuten Radfahren und 60 Minuten Walking oder Ballspiele pro Woche. Anschlie?end entnahmen die Forscher den Freiwilligen Gewebeproben aus dem Streckmuskel des Oberschenkels.

Das Ergebnis vermeldeten die Leipziger Anfang April im Fachblatt "Circulation": Im Vergleich zu elf passiven Herzpatienten hatte sich in den Sportlermuskeln die Aktivit?t sogenannter Radikalf?ngerenzyme deutlich erh?ht. Diese Enzyme vernichten Sauerstoffradikale, die den Herzmuskel sch?digen und die Pumpschw?che ma?geblich bewirken. Im Klartext: Durch Fahrradfahren und Spazierengehen kann ein Herzpatient seine Krankheit direkt auf molekularer Ebene bek?mpfen.

Es f?ngt schon damit an, dass im Zuge k?rperlicher Anstrengung das Blut flotter durch die Adern flie?t als im Ruhezustand. Die erh?hten Scherkr?fte f?hren dann dazu, dass im Innern der Gef??e ein bestimmtes Enzym vermehrt hergestellt wird. Dieses Enzym wiederum sorgt f?r die Bildung des Botenmolek?ls Stickstoffmonoxid, das seinerseits die Dehnbarkeit der Blutgef??e sicherstellt. Genau diese F?higkeit ist bei einer Arteriosklerose erheblich eingeschr?nkt. Es gilt also: Durch Sport kann man die beginnende Verkalkung seiner Gef??e umkehren.

Die Effekte lassen sich bei einzelnen Patienten nachweisen. So teilten die Leipziger 100 M?nner, deren Herzkranzgef??e schon zu 75 Prozent verengt waren, in zwei Gruppen. Bei der einen H?lfte weiteten die ?rzte Engstellen mit einem aufblasbaren Ballon und setzten Stahlr?hrchen, sogenannte Stents, in die verkalkten Gef??e. Den anderen verschrieben sie nichts als Sport, jeden Tag 20 Minuten.

Nach einem Jahr zogen die Kardiologen Bilanz: Von den Sportlern waren 88 Prozent ohne Beschwerden geblieben - bei den Stent-Patienten traf das nur auf 70 Prozent zu. Und mehr noch: Etlichen von Letzteren mussten noch mehr Stents eingesetzt werden, und ?berdies lagen sie viel h?ufiger mit schmerzendem Brustkorb im Krankenhaus.

K?rperliche Aktivit?t normalisiert nicht nur die biochemischen Kreisl?ufe, sondern l?sst in Organen und Geweben neue Zellen heranwachsen. Das erfuhren die Leipziger ?rzte, nachdem sie 18 M?nner mit Raucherbein im Anfangsstadium dazu gebracht hatten, vier Wochen lang jeden Tag einmal auf dem Laufband zu joggen. Obwohl viele von ihnen nach 50 bis 200 Metern schon am Ende ihrer Kr?fte waren, bewirkte die Laufkur selbst in ihren maltr?tierten K?rpern Wunderliches: Die Zahl der zirkulierenden Stammzellen verdreifachte sich; und die zellul?ren Allesk?nner machten sich daran, die kaputten Gef??e von innen zu reparieren. Bewegung, glaubt Hambrecht, sei wom?glich eine "k?rpereigene Stammzelltherapie".

Psychiater und Gerontologen l?sst dieser Befund nicht weiter staunen. Auch sie haben mittlerweile Hinweise gefunden, dass k?rperliches Tun neue Zellen sprie?en l?sst - im Gehirn.

Dabei galt bis vor kurzem noch der umgekehrte Fall als normal: Jeden Tag gehen Tausende Nervenzellen zugrunde. Auf diese Weise wird das Denkorgan mit den Jahren immer kleiner. Zwischen dem 30. und dem 90. Geburtstag gehen 15 bis 25 Prozent der grauen Zellen verloren, wobei ausgerechnet die f?rs Lernen und Erinnern zust?ndigen Areale am st?rksten schrumpfen.

Der Psychologe Arthur Kramer von der University of Illinois in Urbana-Champaign hat diesen Hirnschwund nachweisen k?nnen, als er die K?pfe von 55 ?lteren Menschen mit einem Kernspintomografen durchleuchtete. Er hatte jedoch auch gute Nachrichten zu berichten: Bei jenen Probanden, die bei Tests auf dem Laufband am besten abschnitten, waren die Verluste im Denkorgan deutlich vermindert. Zwar starben auch bei ihnen Zellen ab, jedoch ging das offenbar mit einer erh?hten Neubildung von Neuronen einher.

In einem anderen Experiment durchleuchtete Kramer die Gehirne von Testpersonen, w?hrend diese Denkaufgaben zu l?sen hatten. Nicht nur, dass die fitteren Probanden dabei besser abschnitten als bewegungsscheue Vergleichspersonen. Auch zeigten ihre Gehirne eine h?here Aktivit?t, w?hrend sie die Aufgaben angingen.

"Fitnesstraining verbessert die Wirksamkeit und Leistung von Nervenzellen", sagt Kramer. "?ltere Gehirne sind viel anpassungsf?higer und formbarer, als man es uns beigebracht hat."

Tats?chlich mehren sich in j?ngster Zeit die Hinweise, dass ein Mindestma? an Bet?tigung in der Freizeit vor Demenz und dem Altersschwachsinn Alzheimer sch?tzt, der allein in Deutschland 700 000 B?rger befallen hat. Im Oktober etwa ver?ffentlichten schwedische Forscher die Daten von Menschen, deren Gewohnheiten in puncto Bewegung seit 20 Jahren penibel aufgezeichnet worden waren. Das Ergebnis: Diejenigen, die im Mittelabschnitt des Lebens wenigstens zweimal in der Woche k?rperlich aktiv waren, haben ein um 60 Prozent verringertes Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Sogar wenn sich im Kopf bereits Schusseligkeit und Verwirrung bemerkbar machen, kann Bewegung offenbar wie eine gute Medizin wirken. Bei Laborm?usen, die ?ber Monate regelm??ig auf Laufr?dern rannten, verringerten sich im Gehirn jene Ablagerungen (Amyloidplaques), die mit der Alzheimerschen Krankheit einhergehen. "Anstelle einer Arznei", so der federf?hrende Forscher Carl Cotman von der University of California in Irvine, "war es ein nat?rliches Verhalten, das zur Verringerung der Alzheimer-typischen Pathologie" im Gehirn gef?hrt hat. Menschen scheinen von dem Effekt ebenfalls zu profitieren, berichtet das Blatt "Annals of Internal Medicine" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Erhebung an 1750 ?lteren Leuten ergab: Moderates Wandern, Schwimmen, Aerobic oder etwa Krafttraining halfen jenen Senioren am meisten, die zu Beginn der Studie bereits leicht verwirrt waren - es ist demnach also nie zu sp?t, den Leib in Schwung zu bringen. "Selbst wenn man 75 Jahre alt ist und nie zuvor k?rperlich aktiv war", sagt Eric Larson von der University of Washington in Seattle, "kann man immer noch profitieren, wenn man jetzt damit anf?ngt."

Es ist der Geist, schrieb einst der Dichter Friedrich Schiller, der sich den K?rper baut. Nun sagen Hirnforscher: Das Gegenteil trifft offenbar ebenfalls zu. Wer seinen Leib trainiert, der z?chtet sich im Oberst?bchen frische Nervenzellen heran, die dann das Denkverm?gen verbessern.

Doch wie genau formt ein aktiver K?rper seinen Geist?

Beim Studium von Labortieren hat Henriette van Praag vom Salk Institute im s?dkalifornischen La Jolla offenbar die Antwort gefunden. Von einer Biotech-Firma, die Pleite gegangen war, bekam die Neurowissenschaftlerin 19 Monate alte M?use (das entspricht einem Menschenalter von 60 Jahren) geschenkt. Sie waren ihr ganzes Leben lang in K?figen gehalten worden.

Die eingepferchten Nager waren ideal, um den Effekt von Fitness auf abgestumpfte Gehirne zu studieren. Eine H?lfte der M?use setzte van Praag, 44, in einen K?fig mit Laufrad, auf dem sie jeden Tag f?nf bis sechs Kilometer rannten. Der anderen H?lfte hingegen wurde eine M?glichkeit zur Bewegung weiter verwehrt.

Nach 35 Tagen lie? Henriette van Praag jede Maus in eine milchige Wasserwanne plumpsen. In der Mitte des kreisrunden Pools befand sich eine versteckte Plattform, auf der M?use stehen k?nnen, vergleichbar einer verborgenen Untiefe im Meer. Da die Nagetiere wasserscheu sind, bleiben sie auf der Plattform, wenn sie beim Herumpaddeln auf diese sto?en. Setzt man ein und dieselbe Maus nun mehrere Male nacheinander ins Becken, so merkt sie sich die Lage der Plattform.

Und siehe da: Das Abschneiden bei diesem Lerntest hing stark davon ab, wie viel die Altm?use sich zuvor k?rperlich bewegt hatten. "Faule alte M?use gaben bald auf, d?mpelten herum und warteten darauf, dass ich sie aus dem Becken hob", erz?hlt Henriette van Praag, die ihre Ergebnisse im September im "Journal of Neuroscience" ver?ffentlicht hat. W?hrend die tr?gen Tiere im Durchschnitt 30 Sekunden brauchten, bis sie auf die Plattform stie?en, waren die trainierten Artgenossen doppelt so schnell: Nach 15 Sekunden schon hatten sie die Zuflucht gefunden.

Die Unterschiede in der Denkkraft f?hren van Praag und ihre Kollegen darauf zur?ck, dass in den K?pfen der Laufradm?use frische Nervenzellen gewachsen sind. Denn zehn Tage nach dem Schwimmtest wurden die M?use get?tet und die Zahl der neugebildeten Nervenzellen in ihren Gehirnen gez?hlt. Tats?chlich hatten sich bei den Sportlern wesentlich mehr Hirnzellen zu voll funktionst?chtigen Neuronen entwickelt als bei den Nichtrennern. Die verk?mmerten Gehirne der M?use wurden auf dem Laufrad gleichsam verj?ngt.

Die Leibesert?chtigung kurbelt offenbar die Produktion von Proteinen an, die gezielt Nervenzellen wachsen lassen. BDNF ("brain-derived neurotrophic factor") hei?t eine der Substanzen, die als Gehirnd?nger wirken. Schon trachten die Forscher in La Jolla danach, m?glichst viele dieser Zauberstoffe im K?rper des Menschen dingfest zu machen - beispielsweise, indem sie das Blut von Sportlern mit dem von Nichtsportlern vergleichen und jene Proteine identifizieren, die im Sportlerblut geh?uft vorkommen. Im n?chsten Schritt wollen sie diese Substanzen zu embryonalen Stammzellen in der Kulturschale f?gen und schauen, ob diese tats?chlich zu Nervenzellen heranreifen.

Obwohl die Experimente noch ganz am Anfang stehen, gibt sich Henriette van Praag jetzt schon ?berzeugt, dass nicht nur alte M?use-, sondern auch betagte Menschengehirne von k?rperlicher Bewegung profitieren. "Wenn Sie ihre alternden Verwandten vor Parkinson sch?tzen wollen", empfiehlt die aus den Niederlanden stammende Wissenschaftlerin, "dann kaufen Sie denen ein Laufband."

Es ist ein Rat, den vor allem in den USA viele Krebspatienten schon heute befolgen. Als Anna Schwartz, 42, an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankte, erinnerte sie sich an ihre Erfahrungen als Krankenschwester in einer Klinik f?r Krebskranke: Jene Patienten, die trotz der belastenden Strahlentherapie k?rperlich aktiv blieben, "waren einfach besser drauf". Und als Schwartz dann selbst eine Chemotherapie bekam, zwang sie sich zum Sport, ging laufen und spielte Tennis - trotz Katheter in ihrem K?rper.

Inzwischen hat die durchtrainierte Frau, die als geheilt gilt, aus ihrer Geschichte einen Beruf gemacht: Sie bietet in Cave Creek, Arizona, eine Reittherapie f?r Krebskranke an, h?lt Vortr?ge vor Patienten und hat ein Buch ?ber Fitness und Krebs geschrieben. Das Vorwort hat der Radfahrer Lance Armstrong beigesteuert, der nach ?berstandenem Hodenkrebs siebenmal die Tour de France gewonnen hat.

Inspiriert von seiner kaum glaublichen Story, versuchen amerikanische Krebspatienten
schon seit Jahren, ihre ?berlebenschancen durch hartes Training zu verbessern. Dabei haben Onkologen Sport f?r Krebspatienten lange Zeit eher abgelehnt. Die Anstrengung, so f?rchteten sie, schw?che nur das Immunsystem. Doch der Druck der Patienten habe viele ?rzte umdenken lassen, berichtet Julia Rowland vom "National Cancer Institute" in Bethesda, Maryland. Immer mehr Studien seien deshalb aufgelegt worden, um den Einfluss von Bewegung auf Krebspatienten zu ergr?nden.

Die Befunde, so erz?hlt Rowland weiter, h?tten offenbart, dass die Sorgen der Onkologen unbegr?ndet waren. In vielen F?llen verbesserte Bewegung die Gem?tslage der Patienten und minderte die Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie. Dass Sport aber die ?berlebensdauer von Tumorpatienten verl?ngern k?nnte, vermuteten zun?chst nicht einmal die Optimisten.

Im vorigen Mai jedoch nahm die Forschung eine Wendung, mit der so keiner gerechnet hatte. Gleich zwei Studien kamen zu dem Schluss: K?rperliche Aktivit?t kann das ?berleben von Krebspatienten tats?chlich verl?ngern.

Die Effekte sind in absoluten Zahlen klein, aber sie betreffen zwei der h?ufigsten und gef?hrlichsten Krebsarten. Die eine Studie drehte sich um 816 Menschen, die im Fr?hstadium an Dickdarmkrebs erkrankt waren. Sie alle wurden operiert und mit Chemotherapie behandelt. Zwei bis drei Jahre nach den Heilversuchen erkundigte sich Jeffrey Meyerhardt vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, wie es den Behandelten ergangen war und wie sehr sie sich k?rperlich bewegt hatten. Die Auswertung ergab: Jene Menschen, die beispielsweise zwei bis drei Stunden pro Woche joggten, hatten deutlich weniger R?ckf?lle. Seither sagt Meyerhardt, 36, seinen Patienten, dass Bewegung ihnen "einen Vorteil bringen k?nnte".

?hnliches hat Michelle Holmes, 50, herausgefunden, die nur wenige hundert Meter entfernt im Brigham & Women's Hospital arbeitet. Sie hat die Krankheitsverl?ufe von 3000 Frauen mit Brustkrebs ausgewertet und mit deren Angaben zu k?rperlicher Aktivit?t abgeglichen. "Wer drei bis vier Stunden in der Woche spazieren geht", sagt die Epidemiologin, "der hat ein um 50 Prozent verringertes Risiko, an Brustkrebs zu sterben."

Allerdings, beeilen sich Meyerhardt und Holmes zu sagen, stellten die Befunde noch keinen Beweis dar. Auch Patienten, die jeden Tag im Sportstudio schwitzen, sterben leider h?ufig am Ende doch an ihrer Krebskrankheit.

Gleichwohl haben die Ergebnisse viele Onkologen elektrisiert. "Das ist jetzt eines der aufregendsten Gebiete der Forschung", sagt Julia Rowland. Allein ihr National Cancer Institute f?rdert gegenw?rtig mehr als zwei Dutzend Forschergruppen, die dem m?glichen Zusammenhang zwischen k?rperlicher Aktivit?t und dem ?berleben krebskranker Menschen nachsp?ren.

An die Heilkraft der Bewegung auch f?r kranke Menschen hat der englische Arzt Sir Richard Asher schon geglaubt, als seine Kollegen noch jedem Patienten vollkommene Schonung verschrieben.

"Was f?r ein r?hrendes Bild er abgibt", spottete Asher anno 1947 im "British Medical Journal" ?ber einen im Bett liegenden Patienten. "Das Blut gerinnt in seinen Venen, das Kalzium schwindet aus seinen Knochen, die F?kalien t?rmen sich in seinem Darm, das Fleisch verfault an seinem Hintern und sein Lebensmut entweicht aus seiner Seele!"

Das Thema von Doktor Ashers Aufsatz ist aktueller denn je: "Die Gefahren, zu Bett zu gehen."

J?RG BLECH
2.2.06 16:43


Herzlich willkommen.....

Naja, ob jemals einer hierherkommt?
31.10.05 18:43





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung